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Fuss

Fortschritte in der Vorfußchirurgie
Endoprothese ermöglicht volle Belastbarkeit im Fußgelenk

Die Füße zählen zu den »Schwerstarbeitern« unter unseren Gliedmaßen. Während sie oft viele Jahrzehnte lang zentnerschwere Körper durchs Leben schleppen und sich dabei auch auf steinigen Böden und hartem Asphalt zurechtfinden müssen, sind sie allen Widrigkeiten der Witterung ausgesetzt. Hitze und Kälte, Trockenheit und Feuchtigkeit – an alle Veränderungen unserer Umwelt müssen sie sich anpassen. Dabei sind sie von der Natur teilweise eher stiefmütterlich ausgestattet: Einerseits zeichnen sie sich durch eine hohe Gelenkigkeit aus und sind in der Lage, aufgrund einer besonderen Struktur des Knochengefüges, das in Tragebögen aufgebaut ist, ein Mehrfaches des Ausgangsgewichts zu bewältigen. Andererseits ist es ihnen aber nicht möglich, ihre Muskulatur oder ihre Sehnen zu verstärken, um den besonderen Belastungen gerecht zu werden.

Wie sensibel unsere Füße tatsächlich sind, wird uns vor allem dann bewusst, wenn krankhafte Veränderungen und schmerzhafte Zustände ihr normales Funktionieren beeinträchtigen.

Kleinste Deformierungen führen oft zu gravierenden Beschwerden

Selbst scheinbar geringfügige Deformierungen ziehen schwerwiegende Probleme mit sich. Aufwändig in der Behandlung sind vor allem angeborene Fußfehlstellungen. Heutzutage sind es besonders Fehlstellungen und Bewegungseinschränkungen der Zehengelenke, die in der Vorfußchirurgie einen hohen Stellenwert einnehmen. Typisch sind dabei schmerzhafte Beeinträchtigungen der Beweglichkeit infolge von Knorpelverlust oder Knochenspangenbildung. Besonders im Großzehengrundgelenk treten häufig, bedingt durch Arthrosen oder Verletzungen, Einsteifungen auf. Fußchirurgische Eingriffe lassen sich deshalb nicht immer vermeiden. Oft sind die Schmerzen so gravierend, dass ein normaler, einigermaßen erträglicher Alltag nicht mehr möglich ist. Bei dem Versuch, das natürliche Zehengrundgelenk durch operative Techniken so lange wie möglich zu erhalten, stößt man häufig auf unüberwindliche Grenzen

Gelenkseinsteifung und -entfernung sind problematische Therapiemethoden

Wenn bereits mehr als 70% des Gelenkknorpels zerstört sind, ist ein gelenkerhaltender Eingriff nicht mehr sinnvoll. In diesem Fall stehen nur noch drei Alternativen zur Verfügung: Einsteifung, Entfernung oder Ersatz des Gelenks durch eine Endoprothese. Die Einsteifung des Großzehengrundgelenks in der Praxis zwar bewährt. Es handelt sich um eine durchaus wirkungsvolle Methode, die Schmerzen zu reduzieren. Allerdings hat es den entscheidenden Nachteil, dass dabei die Fähigkeit, mit dem Fuß abzurollen, verloren geht. Dadurch entsteht die Notwendigkeit, Ausgleichsbewegungen auszuführen, wodurch angrenzende Gelenke wie das untere und obere Sprunggelenk, das Knie und sogar die Hüfte in erheblichem Maße in Mitleidenschaft gezogen werden können, was zu einem vorzeitigen Verschleiß führen kann. Auch eine Entfernung des Gelenkes, die so genannte Resektionsarthroplastik, ist selten unproblematisch. Oft wird die Fußstatik erheblich geschädigt, was zu sekundären Deformationen beiträgt, die dann nachträglich wiederum zu schmerzhaften Zuständen am Fuß führen können.

Keramik-Endoprothese stellt Gelenkstabilität her

Deutlich positiver sind die Möglichkeiten, die sich durch den Einsatz einer Endoprothese ergeben. Besonders innovativ dabei ist die Zirkonium-Keramik-Orthese. Sie hat mehrere herausragende Eigenschaften, die ihren bevorzugten Einsatz sinnvoll machen. Bei Zirkonium handelt es sich um eine äußerst harte Keramik, die bei tangentialer Gelenkeinstellung nahezu keinen Abrieb aufweist. Darüber hinaus ist das Zirkonium in der Lage, einen unmittelbaren Kontakt mit dem Knochen herzustellen. Dies wird durch einen Keramiküberzug begünstigt, der es möglich macht, dass der Knochen direkt in die Glaskeramik und die Zirkonium-Endoprothese hineinwächst. Aus diesem Grund kommt die Endoprothese, nachdem sie mit Hilfe einer minimalinvasiven Pressfit-Technik in die zerstörten Gelenkanteile eingebracht wurde, ohne Haltemechanismen aus und weist auch im osteoporotischen Knochen eine hohe Primärstabilität auf. Die beiden Anteile der Prothese, das körpernahe und das körperferne Stück der Endoprothese, gleiten ohne Verbindung aufeinander. Die Stabilität des Gelenkersatzes wird dadurch hergestellt, dass die exakten anatomischen Verhältnisse, wie sie am gesunden Gelenk vorlagen, genau rekonstruiert werden. Vor allem bei der Nachbehandlung sind eine hohe Aufmerksamkeit und eine konsequente Vorgehensweise des weiterbehandelnden Arztes erforderlich. Nachdem die Wundbehandlung abgeschlossen wurde, muss insbesondere das Großzehengelenk gedehnt und in seiner Mobilität erhalten werden. Dies kann durch eine so genannte Großzehenbewegungsmaschine erfolgen, die das Großzehengrundgelenk mit Hilfe eines eingebauten Motors kontinuierlich von der Beugung in die Streckung vor- und zurückbewegt.

Belastbarkeit und Beweglichkeit bleiben erhalten

Für unser Orthopädenteam hat sich der Einsatz der Großzehengrundgelenk-Endoprothese bewährt. Da die Operation meistens ambulant oder tagesklinisch durchgeführt werden kann wird dem Patienten ein längerer Krankenhausaufenthalt in der Regel erspart. Bereits am Tag nach der Operation kann er mit einem speziellen Vorfußentlastungsschuh den Fuß wieder voll belasten und das Gelenk nach Eintritt der Schmerzfreiheit bewegen. Nach einiger Zeit ist auch eine sportliche Betätigung wieder möglich. Der Einsatz der Endoprothese bietet eine Möglichkeit, die Abrollbeweglichkeit des Fußes zu erhalten und die Voraussetzungen für einen physiologisch normalen Gang wiederherzustellen. Untersuchungen ergaben, dass die Endoprothese fest mit dem Knochen verwächst und kaum Abrieb im Gelenk entsteht. Es hat sich gezeigt, dass bereits nach wenigen Jahren eine Druckbelastbarkeit eintritt, die derjenigen des gesunden Fußes nahezu vollständig entspricht. Besonders positiv für die Patienten stellt sich dar, dass in der großen Mehrheit der Fälle sowohl eine weitgehende Beweglichkeit des Fußes als auch eine nahezu vollständige Schmerzfreiheit erzielt wurden.